Was ist ethische Mode? Begriffe, Greenwashing und unsere Definition
Seit einigen Jahren, und heute mehr denn je, hört man viele neue Begriffe: ethische Mode, verantwortungsvolle Mode, faire Mode, nachhaltige Mode, ökologische Mode, Slow Fashion (als Gegenentwurf zur Fast Fashion) ... Doch was bedeuten sie? Wie behält man den Überblick? Marketing-Argument oder echtes Engagement?
Heute versuchen wir, Klarheit zu schaffen und Ihnen unsere Definition von ethischer Mode zu geben.
All diese Begriffe sind unterschiedlich und ergänzen sich zugleich; jeder bezieht sich auf einen Aspekt der Mode. Und sie haben alle etwas gemeinsam: Sie zeigen auf die Schwächen dieser Branche. Sie unterstellen, dass sie großteils nicht nachhaltig, nicht verantwortungsvoll und nicht fair ist. Und das ist noch untertrieben. Die Modeindustrie ist nach der Ölindustrie die zweitgrößte Umweltverschmutzerin der Welt. 2015 zum Beispiel hat der Textilsektor 1,7 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen, 79 Milliarden Kubikmeter Wasser verbraucht und 92 Millionen an festen Abfällen verursacht.
Fotograf Lance Lee für Greenpeace / Kampagne Detox my Fashion
Aus Neugier und um diesen Artikel gewissenhaft zu schreiben, haben wir den Wikipedia-Artikel zum Wort „Mode“ gelesen. Die Definition ist einfach: „Die Kleidermode bezeichnet die Art, sich zu kleiden, entsprechend dem Geschmack einer Epoche in einer bestimmten Region.“ So weit, so gut. Weiter unten im Artikel hat uns allerdings dieser Satz aufhorchen lassen: „Eines ihrer Merkmale ist ihr ständiger Wandel, der dazu anregt, Kleidung zu erneuern, bevor sie abgetragen oder unpassend ist.“
Ist nachhaltige Mode also ein Widerspruch? Per Definition ist Mode eine Branche, für die das Erzeugen von Abfall zur inneren Funktionsweise gehört.
Da wundert es nicht, dass manche Modeketten 24 Kollektionen pro Jahr in ihre Läden bringen.

Fotograf Pedro Guimarães für The New York Times
Die Aufgabe ist gewaltig: Wir müssen die DNA der Mode verändern. Dieser Wandel geschieht nicht über Nacht und nicht ohne Widerstand der Großkonzerne.
Wir als bewusste Konsumentinnen und Konsumenten haben begonnen, unser Kaufverhalten zu ändern – und die großen Konzerne haben das schnell verstanden. Ihre Reaktion ist simpel: noch mehr Kollektionen auf den Markt bringen, diesmal aber „ethische“. Ein perfektes Beispiel dafür, wie Ethik als Verkaufsargument genutzt wird, um das Markenimage aufzupolieren und mehr zu verkaufen. Diese bekannte, auch in anderen Branchen genutzte Methode hat einen Namen: Greenwashing. Sie ist durchaus gefährlich, denn sie wiegt die Verbraucher in dem beruhigenden Gedanken, das Problem sei gelöst. Was natürlich nicht stimmt.
Es gibt Initiativen: Der Fashion Pact wurde im August 2019 am Rande des G7-Gipfels auf Wunsch der französischen Regierung geschlossen. 32 führende Unternehmen der Mode- und Textilbranche kamen zusammen, damit ihre Chefs gemeinsam Verpflichtungen eingehen, um die Erderwärmung zu bremsen, die Ozeane zu schützen und die Artenvielfalt wiederherzustellen. Der Zeithorizont 2050 für diese Ziele scheint allerdings weit entfernt.

Fotografin Bente Stachowske für Greenpeace
Bei Arsayo wollen wir nicht warten – unsere Verpflichtungen gehen wir jetzt ein.
Von der Produktion über die Herstellung und die Materialien bis zum Vertrieb haben wir alles verändert. Dieser Wandel hat sich ganz von selbst ergeben. Unsere Überzeugungen haben uns dazu gebracht, unser Modell neu zu denken und zu handeln.
Die Materialien
Nach und nach ersetzen wir die Bestandteile des Arsayo Rucksacks: Zwei neue Materialien lösen das bisher verwendete Polyurethan (PU) ab – Kork und Bio-Baumwolle.
Kork ist eine großartige Alternative zu Leder – ohne die ökologischen Schäden. Korkeichenwälder sind echte Kohlenstoffspeicher: 10 Hektar Wald liefern zum Beispiel 1 Tonne Kork, und diese Fläche bindet rund 32,2 t/ha CO2 pro Jahr. Das entspricht dem jährlichen CO2-Ausstoß von 7 Autos, die jeweils 25 000 km fahren. Diese Wälder halten außerdem das Wasser im Boden, was das Ökosystem stabilisiert und die Entwicklung der Pflanzen- und damit auch der lokalen Tierwelt fördert.

Foto C.G. für Arsayo
Bio-Baumwolle war für uns ein Muss. Die Schäden durch konventionellen Baumwollanbau sind enorm: Bodenverschmutzung durch Dünger und Pestizide, gigantischer Wasserverbrauch. Bio-Baumwolle kommt ohne Dünger, Pestizide und Gentechnik aus und verbraucht 25-mal weniger Wasser als der konventionelle Anbau.
Unsere Reißverschlüsse sind von YKK und zertifiziert nickelfrei – für Qualität und Langlebigkeit.
Die Herstellung
Wir haben uns entschieden, mit neuen Werkstätten in Portugal zu arbeiten. Zuvor stammten die Materialien aus China, und auch unsere Taschen wurden dort gefertigt. Durch kürzere Wege fallen große Teile unseres CO₂-Fußabdrucks weg. Außerdem können wir unsere Werkstatt in Europa selbst besuchen und kennen die Arbeitsbedingungen und das Wohlbefinden der Beschäftigten.
Ökologisch und sozial war diese Entscheidung für uns selbstverständlich.

Foto C.G. für Arsayo
Der Vertrieb
Auch andere Systeme in der Modebranche sind im Niedergang, etwa das Finanzmodell. Wir glauben, dass sich die Art, wie verkauft und gekauft wird, gerade verändert. Noch vor einigen Jahren hatte niemand eine andere Wahl, als sein Produkt an Händler zu verkaufen. Die übliche Händlermarge liegt beim 2- bis 2,5-Fachen des Einkaufspreises. Die Verbraucher zahlen für einen Artikel also das 3- bis 4-Fache, manchmal bis zum 10-Fachen oder sogar mehr seines Produktionswerts. Wir finden: Damit Mode ethisch ist, muss die Kundschaft einen fairen Preis zahlen.
45 % der Internetnutzer weltweit haben 2018 online eingekauft, und die Zahlen steigen. Dieses veränderte Verhalten erleichtert den Direktkauf vom Designer zur Kundin oder zum Kunden, ohne Zwischenhändler. Heute setzen wir auf das Web, unseren Online-Shop und einige sorgfältig ausgewählte Marktplätze. Auf Amazon finden Sie unsere Taschen übrigens nicht mehr.
Ethik hat ihren Preis – doch wenn er allein auf die Endkunden abgewälzt wird, ist das System nicht fair. Jeder in dieser riesigen Kette muss seinen Teil der Verantwortung übernehmen.
Für Arsayo ist Mode ethisch, wenn sie so wenig wie möglich verschmutzt, Umwelt, Tiere und Menschen respektiert und robuste, hochwertige Artikel anbietet, die lange halten. Diese Überzeugungen treiben uns jeden Tag an, weiterzumachen, denn wir glauben, dass hier die Zukunft der Mode liegt.
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Quellen
- Wikipedia, Definition des Wortes „Mode“: https://fr.wikipedia.org/wiki/Mode_(habillement)
- Le Monde: https://www.lemonde.fr/m-mode/article/2018/09/28/l-eveil-ecologique-de-l-industrie-de-la-mode_5361410_4497335.html
- Ellen MacArthur Foundation: https://www.ellenmacarthurfoundation.org/our-work/activities/make-fashion-circular
- Blog Envertetcontretout: https://envertetcontretout.ch/2019/09/27/greenwashing-hm-et-ses-habits-en-bouteilles-recyclees/
- Gouvernement.fr: https://www.gouvernement.fr/32-entreprises-de-la-mode-et-du-textile-s-engagent-pour-l-environnement
- Mediapart: https://blogs.mediapart.fr/baobab3/blog/240517/pourquoi-la-mode-fait-partie-des-pires-pollueurs-au-monde
- Planète Liège: http://www.planeteliege.com/tout-sur-le-liege/le-liege-et-lenvironnement/la-suberaie-ecosysteme-et-biodiversite/sequestration-du-carbone/
- Marke Mars Elle: https://www.mars-elle.com/cest-quoi-le-coton-biologique-mars-elle/





